Braucht unser Team eine Teamentwicklung? Eine Checkliste für Führungskräfte

Nicht jede Spannung im Team verlangt sofort eine externe Begleitung. Unterschiedliche Meinungen, Reibungen und gelegentliche Missverständnisse gehören zur Zusammenarbeit. Sie können sogar hilfreich sein, denn sie bringen verschiedene Sichtweisen ans Licht.

Kritisch wird es jedoch, wenn sich ungünstige Muster festsetzen. Vielleicht sinkt die Leistung, die Stimmung verschlechtert sich oder Gespräche führen immer wieder zu denselben Problemen. Zudem kann die Führungskraft den Eindruck gewinnen, mit den bisherigen Mitteln nicht mehr weiterzukommen.

Die folgende Checkliste Teamentwicklung hilft Ihnen bei einer ersten Einschätzung. Sie zeigt, ob ein Gespräch im Team genügen könnte, ob eine Teamentwicklung sinnvoll wäre oder ob es bereits eine gezielte Konfliktklärung braucht.

So funktioniert die Checkliste Teamentwicklung

Bewerten Sie jede Aussage mit:

  • 0 Punkte: trifft nicht zu
  • 1 Punkt: trifft teilweise zu
  • 2 Punkte: trifft deutlich zu

Die Checkliste soll Ihr Team nicht vorschnell als problematisch einstufen. Vielmehr hilft sie Ihnen dabei, mögliche Belastungen und offenen Klärungsbedarf zu erkennen.

1. Zusammenarbeit und Kommunikation

  • Wichtige Informationen erreichen nicht alle Teammitglieder rechtzeitig.
  • Das Team versteht Absprachen unterschiedlich oder hält sie nicht ein.
  • In Sitzungen sprechen die Beteiligten wichtige Themen nicht offen an.
  • Kritische Gespräche finden eher ausserhalb des Teams statt.
  • Missverständnisse führen wiederholt zu Spannungen oder Doppelarbeit.

Zwischentotal Kommunikation: ____ / 10 Punkte

2. Ziele und Orientierung

  • Im Team bestehen unterschiedliche Vorstellungen über die wichtigsten Aufgaben.
  • Nicht alle Teammitglieder kennen die gemeinsamen Ziele.
  • Einzelne Interessen stehen häufig über den Zielen des Teams.
  • Teammitglieder stellen getroffene Entscheidungen immer wieder infrage.
  • Veränderungen lösen Unsicherheit aus, doch das Team klärt diese nicht gemeinsam.

Zwischentotal Ziele und Orientierung: ____ / 10 Punkte

3. Rollen und Verantwortlichkeiten

  • Aufgaben und Zuständigkeiten sind nicht eindeutig verteilt.
  • Manche Aufgaben bleiben liegen, weil sich niemand dafür verantwortlich fühlt.
  • Einzelne Personen übernehmen dauerhaft mehr Arbeit als andere.
  • Unklare Zuständigkeiten führen immer wieder zu Reibungen.
  • Im Team bestehen unterschiedliche Erwartungen an die Führungskraft.

Zwischentotal Rollen und Verantwortlichkeiten: ____ / 10 Punkte

4. Vertrauen und Teamklima

  • Teammitglieder halten ihre Meinung häufig zurück.
  • Das Team spricht Fehler nicht offen an.
  • Es bilden sich Gruppen, Lager oder feste Bündnisse.
  • Einzelne Personen fühlen sich ausgeschlossen oder zu wenig geschätzt.
  • Misstrauen, Vorsicht oder Gereiztheit prägen die Stimmung im Team.

Zwischentotal Vertrauen und Teamklima: ____ / 10 Punkte

5. Umgang mit Konflikten

  • Das Team vermeidet Konflikte oder verschiebt die Klärung immer wieder.
  • Sachliche Meinungsverschiedenheiten werden schnell persönlich.
  • Frühere Konflikte belasten die Zusammenarbeit noch heute.
  • Einzelne Teammitglieder sprechen kaum noch direkt miteinander.
  • Die Führungskraft muss sich immer wieder mit denselben Konflikten befassen.

Zwischentotal Umgang mit Konflikten: ____ / 10 Punkte

6. Leistung und Verbindlichkeit

  • Die Zusammenarbeit kostet unverhältnismässig viel Zeit und Energie.
  • Das Team setzt Entscheidungen nur zögerlich oder unvollständig um.
  • Abstimmungsprobleme beeinträchtigen die Qualität der Arbeit.
  • Die Motivation einzelner Teammitglieder hat deutlich nachgelassen.
  • Das Team verteilt die Belastung ungleich und spricht kaum darüber.

Zwischentotal Leistung und Verbindlichkeit: ____ / 10 Punkte

Auswertung der Checkliste Teamentwicklung

Addieren Sie nun alle Punkte.

Gesamtpunktzahl: ____ / 60 Punkte

0 bis 10 Punkte: Kein grundsätzlicher Handlungsbedarf

Ihr Team scheint insgesamt gut zu funktionieren. Zwar können einzelne Spannungen oder Unklarheiten auftreten, doch diese lassen sich meist im Führungsalltag klären.

Hilfreich sind zum Beispiel:

  • klare Absprachen
  • regelmässige Feedbackrunden
  • kurze Gespräche über die aktuelle Zusammenarbeit
  • gemeinsame Rückblicke auf wichtige Projekte

Eine externe Teamentwicklung ist deshalb in der Regel nicht notwendig. Dennoch lohnt es sich, die Zusammenarbeit regelmässig zu überprüfen.

11 bis 25 Punkte: Frühzeitige Klärung sinnvoll

Einzelne Themen beeinträchtigen die Zusammenarbeit bereits. Allerdings kann das Team viele dieser Schwierigkeiten wahrscheinlich noch selbst bearbeiten.

Gehen Sie deshalb möglichst früh vor:

  • Sprechen Sie die auffälligen Bereiche offen an.
  • Klären Sie Erwartungen und Zuständigkeiten.
  • Treffen Sie konkrete Vereinbarungen.
  • Prüfen Sie nach einigen Wochen, was sich verändert hat.

Bleiben die gleichen Muster bestehen, kann eine moderierte Standortbestimmung helfen. So verhindern Sie, dass sich kleinere Probleme weiter verstärken.

26 bis 40 Punkte: Teamentwicklung empfehlenswert

Mehrere Bereiche der Zusammenarbeit sind deutlich belastet. Ohne gezielte Klärung können sich die Schwierigkeiten weiter festsetzen.

Eine Teamentwicklung kann das Team dabei unterstützen,

  • Rollen und Verantwortlichkeiten zu klären,
  • gemeinsame Ziele festzulegen,
  • ungünstige Kommunikationsmuster zu erkennen,
  • Vertrauen und Verbindlichkeit zu stärken,
  • konkrete Regeln für die Zusammenarbeit zu vereinbaren.

Dabei sollte das Team nicht nur über einzelne Vorfälle sprechen. Vielmehr gilt es zu verstehen, welche Muster hinter den wiederkehrenden Problemen stehen. Anschliessend kann das Team gemeinsam neue Formen der Zusammenarbeit entwickeln.

41 bis 60 Punkte: Vertiefte Klärung notwendig

Die Zusammenarbeit ist stark beeinträchtigt. Wahrscheinlich bestehen bereits feste Konflikte, ein deutlicher Vertrauensverlust oder wiederkehrende Eskalationen.

Eine klassische Teamentwicklung reicht in dieser Situation möglicherweise nicht mehr aus. Deshalb sollte zuerst geklärt werden, welche Form der Unterstützung passt. Je nach Situation kann eine Mediation, eine Konfliktmoderation oder eine Klärungshilfe sinnvoller sein.

Eine vertiefte Konfliktklärung ist besonders wichtig, wenn

  • einzelne Personen kaum noch miteinander sprechen,
  • persönliche Vorwürfe oder Verletzungen im Raum stehen,
  • Mitarbeitende sich unsicher oder ausgeschlossen fühlen,
  • sich feste Lager gebildet haben,
  • die Führungskraft selbst am Konflikt beteiligt ist.

Nicht nur die Gesamtpunktzahl zählt

Die Gesamtpunktzahl der Checkliste Teamentwicklung bietet eine erste Orientierung. Sie sollten jedoch auch darauf achten, in welchen Bereichen Ihr Team besonders viele Punkte erreicht.

Ein Team kann insgesamt recht gut funktionieren und dennoch in einem bestimmten Bereich grosse Schwierigkeiten haben. Hohe Werte bei Vertrauen, Konflikten oder Rollen sollten Sie deshalb ernst nehmen, auch wenn die Gesamtpunktzahl noch nicht sehr hoch ist.

Schauen Sie zudem auf einzelne Aussagen, bei denen Sie zwei Punkte vergeben haben. Diese Hinweise können wichtiger sein als das Gesamtergebnis.

Vier zusätzliche Fragen für Führungskräfte

Neben der Punktzahl sollten Sie auch Ihre eigene Rolle betrachten. Beantworten Sie deshalb die folgenden Fragen möglichst ehrlich:

  1. Spreche ich schwierige Themen frühzeitig an?
  2. Trage ich selbst möglicherweise zu den Spannungen bei?
  3. Klärt das Team Konflikte direkt oder spricht es vor allem über abwesende Personen?
  4. Haben wir bereits mehrfach etwas verändert, ohne eine dauerhafte Verbesserung zu erreichen?

Wenn Sie mehrere Fragen kritisch beantworten, kann eine externe Begleitung hilfreich sein. Das gilt besonders dann, wenn Sie selbst Teil der Schwierigkeiten sind. Eine neutrale Person kann Gespräche strukturieren und unterschiedliche Sichtweisen sichtbar machen.

Wann genügt ein Teamgespräch?

Ein internes Teamgespräch kann genügen, wenn

  • die Beteiligten weiterhin direkt miteinander sprechen,
  • keine schweren persönlichen Verletzungen vorliegen,
  • alle Beteiligten die Themen klar benennen können,
  • das Team die Führungskraft als glaubwürdig erlebt,
  • die Teammitglieder bereit sind, Verantwortung zu übernehmen.

Bereiten Sie das Gespräch sorgfältig vor. Benennen Sie das Thema klar und geben Sie allen Beteiligten genügend Raum. Achten Sie ausserdem darauf, dass das Gespräch mit konkreten Vereinbarungen endet.

Klären Sie gemeinsam:

  • Wer übernimmt welche Aufgabe?
  • Was soll sich konkret verändern?
  • Bis wann soll die Veränderung erfolgen?
  • Woran erkennen wir eine Verbesserung?
  • Wann überprüfen wir die Vereinbarungen?

Wann ist eine Teamentwicklung sinnvoll?

Eine Teamentwicklung eignet sich vor allem dann, wenn die Zusammenarbeit grundsätzlich noch möglich ist. Dennoch können unklare Rollen, unterschiedliche Erwartungen oder ungünstige Kommunikationsmuster das Team belasten.

Typische Anlässe sind:

  • eine Reorganisation
  • die Bildung eines neuen Teams
  • die Integration neuer Teammitglieder
  • unklare Rollen und Zuständigkeiten
  • sehr unterschiedliche Arbeitsweisen
  • fehlende gemeinsame Ziele
  • mangelnde Verbindlichkeit
  • wiederkehrende Spannungen ohne offene Eskalation

In einer Teamentwicklung betrachtet das Team nicht nur aktuelle Probleme. Es klärt auch, wie es künftig zusammenarbeiten möchte. Deshalb können konkrete Regeln, klare Rollen und gemeinsame Ziele entstehen.

Wann braucht es eine Mediation oder Konfliktklärung?

Eine Mediation oder Klärungshilfe eignet sich eher, wenn die Beziehungen im Team bereits stark belastet sind. In solchen Situationen können die Beteiligten den Konflikt oft nicht mehr ohne Unterstützung lösen.

Mögliche Hinweise sind:

  • persönliche Vorwürfe
  • ein deutlicher Vertrauensverlust
  • Rückzug oder Gesprächsverweigerung
  • wiederkehrende Eskalationen
  • feste Lager
  • gegenseitige Schuldzuweisungen
  • eine starke emotionale Belastung

Eine Konfliktklärung gibt den Beteiligten einen geschützten Rahmen. Dort können sie ihre Sichtweisen darstellen, Verletzungen ansprechen und nach tragfähigen Lösungen suchen.

Was Sie vor einer externen Begleitung klären sollten

Bevor Sie eine Teamentwicklung oder Konfliktklärung starten, sollten Sie einige Fragen beantworten:

  • Was ist der konkrete Anlass?
  • Seit wann bestehen die Schwierigkeiten?
  • Wer ist davon betroffen?
  • Welche Lösungsversuche gab es bereits?
  • Welches Ergebnis soll die Begleitung erreichen?
  • Ist die Führungskraft selbst am Konflikt beteiligt?
  • Sind die Teammitglieder bereit, sich auf den Prozess einzulassen?

Je klarer der Auftrag ist, desto gezielter kann die externe Begleitung arbeiten. Allerdings müssen Sie die Ursache der Probleme nicht bereits vollständig kennen. Gerade das gemeinsame Klären der Ausgangslage kann ein wichtiger Teil des Prozesses sein.

Fazit: Die Checkliste Teamentwicklung als erste Orientierung

Ein Team muss nicht konfliktfrei sein, um gut zu funktionieren. Unterschiedliche Meinungen gehören dazu. Entscheidend ist jedoch, wie das Team mit Spannungen umgeht.

Kann es schwierige Themen offen ansprechen? Können die Beteiligten unterschiedliche Sichtweisen aushalten? Finden sie verbindliche Lösungen? Wenn dies immer weniger gelingt, sollte die Führungskraft handeln.

Die Checkliste Teamentwicklung bietet Ihnen eine erste Orientierung. Sie ersetzt keine genaue Analyse. Dennoch kann sie dabei helfen, Klärungsbedarf frühzeitig zu erkennen und die passende Form der Unterstützung zu wählen.

Weitere Informationen finden Sie auf meiner Seite zur Teamentwicklung in Aarau und im Kanton Aargau.

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