Teamentwicklung: 7 Erfolgsfaktoren für nachhaltige Zusammenarbeit
Ein Teamworkshop kann inspirierend sein. Man tauscht sich aus, entwickelt Ideen, vereinbart Massnahmen – und geht mit guter Energie auseinander.
Einige Wochen später sieht der Alltag jedoch manchmal wieder ziemlich ähnlich aus wie vorher.
Das liegt nicht zwingend daran, dass die Teamentwicklung schlecht war. Viel häufiger fehlt die Verbindung zwischen dem Workshop und dem Arbeitsalltag.
Nachhaltige Teamentwicklung bedeutet deshalb mehr als einen gelungenen gemeinsamen Tag. Sie schafft Klarheit darüber, was sich konkret verändern soll, wer dafür Verantwortung übernimmt und wie das Team überprüft, ob die Veränderung tatsächlich gelingt.
Sieben Faktoren sind dabei aus meiner Erfahrung besonders wichtig.
1. Ein klares Ziel
Eine Teamentwicklung sollte nicht mit der Frage beginnen:
„Was könnten wir an diesem Tag machen?“
Sondern:
„Was soll nach der Teamentwicklung anders sein als vorher?“
Das klingt selbstverständlich, wird aber häufig unterschätzt.
Anlässe für eine Teamentwicklung können sehr unterschiedlich sein:
- Ein Team wurde neu zusammengesetzt.
- Eine neue Führungskraft übernimmt.
- Rollen und Verantwortlichkeiten sind unklar.
- Die Zusammenarbeit funktioniert nicht optimal.
- Es bestehen Spannungen oder Konflikte.
- Eine Veränderung muss gemeinsam bewältigt werden.
- Das Team möchte seine Zusammenarbeit grundsätzlich weiterentwickeln.
Je konkreter das Ziel formuliert ist, desto leichter lässt sich später beurteilen, ob die Teamentwicklung etwas bewirkt hat.
Statt:
„Wir möchten besser zusammenarbeiten.“
ist beispielsweise hilfreicher:
„Wir möchten Rollen und Verantwortlichkeiten so klären, dass Entscheidungen schneller getroffen und Aufgaben weniger häufig doppelt erledigt werden.“
2. Die richtige Diagnose vor dem Workshop
Was auf den ersten Blick wie ein Kommunikationsproblem aussieht, kann ganz unterschiedliche Ursachen haben.
Vielleicht sprechen die Mitarbeitenden tatsächlich zu wenig miteinander.
Vielleicht sind aber auch:
- Zuständigkeiten unklar,
- Ziele widersprüchlich,
- Entscheidungen nicht nachvollziehbar,
- Ressourcen zu knapp oder
- Konflikte seit längerer Zeit ungelöst.
Deshalb sollte eine Teamentwicklung nicht mit fertigen Methoden beginnen.
Zuerst braucht es ein möglichst gutes Verständnis der Situation.
Hilfreiche Fragen sind:
- Was funktioniert bereits gut?
- Wo wird Zusammenarbeit schwierig?
- Seit wann besteht das Problem?
- Was wurde bereits versucht?
- Wer nimmt die Situation wie wahr?
- Welche organisatorischen Rahmenbedingungen spielen eine Rolle?
Erst danach lässt sich entscheiden, welche Form der Teamentwicklung sinnvoll ist.
3. Führung muss Teil des Prozesses sein
Teamentwicklung ist keine Massnahme, die eine Führungskraft einfach für ihr Team bestellen kann.
Die Führungskraft ist selbst Teil des Systems.
Wenn Mitarbeitende beispielsweise unklare Rollen, mangelnde Informationen oder widersprüchliche Entscheidungen erleben, kann die Führung nicht ausserhalb des Problems stehen.
Das bedeutet nicht, dass sie schuld ist.
Es bedeutet lediglich, dass auch ihr Verhalten, ihre Kommunikation und ihre Erwartungen Teil der gemeinsamen Betrachtung sein dürfen.
Eine zentrale Frage lautet deshalb:
Was kann das Team verändern – und welchen Beitrag kann die Führung dazu leisten?
Gerade diese gemeinsame Verantwortung erhöht die Chance, dass Veränderungen tatsächlich umgesetzt werden.
4. Auch das ansprechen, was unangenehm ist
Teams sprechen gerne darüber, was gut läuft oder wie die ideale Zusammenarbeit aussehen sollte.
Schwieriger wird es bei Themen wie:
- enttäuschten Erwartungen,
- unausgesprochenen Konflikten,
- unterschiedlichem Engagement,
- mangelnder Verlässlichkeit,
- Konkurrenz,
- verletzendem Verhalten oder
- fehlendem Vertrauen.
Gerade dort liegt häufig das grösste Entwicklungspotenzial.
Eine Teamentwicklung sollte deshalb einen Rahmen schaffen, in dem auch schwierige Themen angesprochen werden können.
Dabei geht es nicht darum, möglichst viel Kritik zu sammeln.
Entscheidend ist vielmehr:
Was müssen wir miteinander besprechen, damit wir künftig besser zusammenarbeiten können?
Das erfordert Offenheit – aber ebenso eine klare und wertschätzende Gesprächsführung.
5. Nicht nur Probleme betrachten
Teams geraten leicht in einen problemorientierten Modus.
Dann geht es hauptsächlich darum:
- was nicht funktioniert,
- wer etwas falsch macht,
- was früher besser war,
- warum Veränderungen schwierig sind.
Probleme müssen angesprochen werden. Gleichzeitig ist es hilfreich, auch die Ressourcen des Teams sichtbar zu machen.
Fragen können sein:
- Wann gelingt unsere Zusammenarbeit besonders gut?
- Was machen wir dann anders?
- Welche Fähigkeiten bringen wir als Team mit?
- Welche schwierigen Situationen haben wir bereits gemeinsam bewältigt?
- Was sollten wir unbedingt erhalten?
Dieser Blick ist wichtig, weil Entwicklung nicht nur daraus besteht, Fehler zu beseitigen.
Oft ist es ebenso wirksam, das zu verstärken, was bereits funktioniert.
6. Wenige konkrete Vereinbarungen treffen
Am Ende eines Workshops entstehen häufig lange Massnahmenlisten.
Das wirkt zunächst produktiv.
Im Alltag sind zehn oder fünfzehn Massnahmen jedoch kaum realistisch umzusetzen.
Ich bevorzuge deshalb wenige, aber konkrete Vereinbarungen.
Beispielsweise:
Statt:
„Wir wollen besser kommunizieren.“
besser:
„Entscheidungen aus der Teamsitzung werden innerhalb eines Tages im gemeinsamen Protokoll festgehalten.“
Oder statt:
„Wir wollen Konflikte früher ansprechen.“
besser:
„Wenn mich das Verhalten einer Kollegin oder eines Kollegen wiederholt stört, spreche ich die betreffende Person zuerst direkt an und nicht andere Teammitglieder.“
Eine gute Vereinbarung beantwortet möglichst:
- Was tun wir?
- Wer übernimmt Verantwortung?
- Ab wann gilt es?
- Woran merken wir, dass es funktioniert?
So wird aus einer guten Absicht ein konkretes Verhalten.
7. Nach dem Workshop dranbleiben
Der wichtigste Teil einer Teamentwicklung beginnt oft erst nach dem Workshop.
Der Alltag kommt zurück, Dringendes verdrängt Wichtiges und alte Gewohnheiten melden sich wieder.
Das ist normal.
Deshalb sollte bereits während der Teamentwicklung geklärt werden:
Wann schauen wir wieder hin?
Eine Review nach einigen Wochen oder Monaten kann helfen zu überprüfen:
- Was haben wir umgesetzt?
- Was hat sich verbessert?
- Was funktioniert noch nicht?
- Welche Vereinbarungen haben sich bewährt?
- Was müssen wir anpassen?
- Was ist der nächste Schritt?
Eine solche Überprüfung macht deutlich:
Teamentwicklung ist kein Ereignis, sondern ein Prozess.
Wann reicht ein einzelner Workshop?
Nicht jedes Team braucht einen längeren Entwicklungsprozess.
Ein einzelner Workshop kann durchaus genügen, beispielsweise wenn:
- ein neues Team sich kennenlernen und Erwartungen klären möchte,
- Rollen relativ einfach geklärt werden können,
- ein gemeinsamer Boxenstopp gewünscht ist oder
- eine konkrete Fragestellung bearbeitet werden soll.
Je komplexer die Situation jedoch ist, desto weniger realistisch ist die Erwartung, dass ein einziger Tag alles verändert.
Bei länger bestehenden Konflikten, grundlegenden Veränderungen oder ausgeprägten Vertrauensproblemen braucht es häufig mehrere Schritte.
Und wann ist Teamentwicklung nicht die richtige Lösung?
Auch das gehört zu einer guten Auftragsklärung.
Manchmal liegt das Problem nicht primär im Team.
Ein individueller Konflikt
Sind vor allem zwei Personen betroffen, kann eine gezielte Konfliktklärung sinnvoller sein.
Ein Führungsproblem
Wenn Entscheidungen vermieden oder Erwartungen nicht geklärt werden, braucht es möglicherweise zuerst Führung statt Teamentwicklung.
Ein strukturelles Problem
Widersprüchliche Aufträge, fehlende Ressourcen oder unklare Zuständigkeiten können nicht durch einen guten Workshop beseitigt werden.
Ein individuelles Leistungsproblem
Wenn eine einzelne Person vereinbarte Leistungen dauerhaft nicht erbringt, ist zunächst ein klares Führungsgespräch erforderlich.
Teamentwicklung sollte nicht dazu dienen, Probleme auf das gesamte Team zu verteilen, die eigentlich an einer anderen Stelle geklärt werden müssen.
Was eine gute Teamentwicklung am Ende bewirken sollte
Der Erfolg einer Teamentwicklung zeigt sich nicht daran, ob die Teilnehmenden den Workshop angenehm fanden.
Entscheidender ist, was sich danach verändert.
Zum Beispiel:
- Rollen und Verantwortlichkeiten sind klarer.
- Erwartungen wurden ausgesprochen.
- schwierige Themen sind ansprechbarer.
- Entscheidungen werden nachvollziehbarer.
- Informationen fliessen besser.
- Konflikte werden früher angesprochen.
- Mitarbeitende übernehmen mehr Verantwortung.
- das Team kann sich stärker auf seinen gemeinsamen Auftrag konzentrieren.
Nicht jede Teamentwicklung erreicht all diese Punkte.
Wichtig ist, dass das Team weiss, welche konkreten Veränderungen es erreichen möchte.
Fazit
Nachhaltige Teamentwicklung braucht weder spektakuläre Übungen noch möglichst viele Methoden.
Sie braucht vor allem Klarheit:
Was beschäftigt uns?
Was wollen wir verändern?
Was liegt in unserer Verantwortung?
Und was tun wir ab morgen konkret anders?
Wenn diese Fragen ehrlich bearbeitet werden und das Team anschliessend dranbleibt, kann auch ein vergleichsweise einfacher Prozess viel bewirken.
Teamentwicklung wird dann nicht zum einmaligen Workshop, sondern zu einer bewussteren Form der Zusammenarbeit.
Weitere Informationen zu meinem Vorgehen finden Sie auf meiner Seite Teamentwicklung in Aarau und der Region Aargau.egelmäßig an Kommunikation, Abstimmung und gegenseitiger Unterstützung, steigen Leistung, Zufriedenheit und Zusammenhalt spürbar.
